49 Prozent – das Ziel liegt bei 80
22.08.2026
Deutschland will bis 2030 acht von zehn Bürgern mit grundlegenden digitalen Fähigkeiten ausstatten – heute erreicht das Land laut Initiative D21 gerade die Hälfte.
Das europäische Ziel von 80 Prozent digitaler Grundbildung bis 2030 liegt in weiter Ferne. Der D21-Digital-Index 2025 zeigt: Nur 49 Prozent der Bevölkerung verfügen über die nötigen Kompetenzen. Die Lücke ist erheblich, und sie wird größer.
Die Kompetenzen sinken, statt zu steigen
Die ICILS 2023 der Universität Paderborn misst digitale Fähigkeiten von Achtklässlern seit zehn Jahren. Das Ergebnis: ein Rückgang von 523 Punkten im Jahr 2013 auf 502 Punkte heute. 40 Prozent der Schüler erreichen nur die unteren beiden Kompetenzstufen. Sie können klicken und wischen, aber Informationen weder bewerten noch produktiv weiterverarbeiten.

Die technische Ausstattung ist besser geworden. Didaktische Konzepte fehlen.
Fünf Milliarden für Infrastruktur – aber nicht für Unterricht
Der Digitalpakt 2.0 investiert bis 2030 fünf Milliarden Euro in Schulen, je zur Hälfte von Bund und Ländern. Doch Infrastruktur allein macht keinen guten Unterricht. Laut PISA-Sonderauswertung der Vodafone Stiftung Deutschland lernen nur 25,3 Prozent der deutschen Schüler in der Schule, gefälschte Mails zu erkennen. Im OECD-Durchschnitt sind es 41,2 Prozent.

Die Vodafone-Pilotstudie 2024 zeigt allerdings auch: Schüler, die regelmäßig digitale Technologien im Unterricht nutzen, erzielen bis zu 15 Prozent höhere Punktzahlen bei digitalen Kompetenztests. Voraussetzung ist der gezielte und kompetente Einsatz.
Lehrkraft und Didaktik entscheiden
Studien belegen: Die Lerneffektivität digitaler Medien ist gemessen an Aufwand und Kosten unterdurchschnittlich. Entscheidend ist die Lehrkraft und das didaktische Konzept. Bei schülerzentrierten, problemorientierten Unterrichtsformen entfalten digitale Werkzeuge Wirkung – bei lehrerzentriertem Unterricht verpuffen sie.
Ich habe das Kompetenz-Radar entwickelt, weil digitale Bildung mehr braucht als Geräte. Die Frage ist nicht ob, sondern wie digitale Bildung gelingt. Wie ich in Digitale Bildung auf dem Prüfstand: Ein kritischer Blick auf die DIDACTA 2024 beschrieben habe, zeigt die Forschung: Der Fokus muss auf realen Erfahrungen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten liegen, besonders bei jüngeren Schülern.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Wer heute einstellt, trifft auf eine Generation mit sinkenden digitalen Kompetenzen. Unternehmen müssen selbst ausbilden, was Schulen nicht leisten. Die Investition in digitale Weiterbildung wird zur Pflicht, nicht zur Kür. Wer wartet, bis die Politik liefert, verliert den Anschluss.
Quellen
- Initiative D21, D21-Digital-Index 2025,
https://initiatived21.de/ - ICILS 2023, International Computer and Information Literacy Study, Universität Paderborn, November 2024
- KMK, Digitalpakt 2.0 (2026-2030), Dezember 2025
- OECD, PISA-Sonderauswertung Digitale Kompetenzen, Vodafone Stiftung Deutschland, 2021
- Bundesregierung, Digitalstrategie Deutschland 2030, 2022
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