40 Prozent können nur klicken und wischen
22.08.2026
Deutsche Achtklässler können Apps bedienen, aber keine Quellen prüfen – und dieser Anteil wächst.
Die ICILS-Studie 2023 zeigt: 40 Prozent der deutschen Achtklässler erreichen nur die untersten beiden Kompetenzstufen bei digitalen Fähigkeiten. Birgit Eickelmann, wissenschaftliche Leiterin der Studie, bringt es auf den Punkt: Diese Schüler können eigentlich nur klicken und wischen. Im europäischen Mittel sind es sogar 50 Prozent. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Anteil bis 2030 auf höchstens 15 Prozent zu senken.
Die Kompetenzen sinken trotz Milliardeninvestitionen
Die Achtklässler erreichten 2023 nur noch 502 Punkte – 2018 waren es noch 518 Punkte. Das ist ein Rückgang trotz Digitalpakt, trotz Pandemie-Digitalisierungsschub, trotz milliardenschwerer Investitionen in Infrastruktur. Die KMK hat im Januar 2026 den Digitalpakt 2.0 gestartet: fünf Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre.

Bayern rollt seit 2024 das Projekt "Digitale Schule der Zukunft" aus. Erste KI-Systeme wie AIS.chat stehen seit Oktober 2025 zur Verfügung. Tablets an Schulen werden zum Standard.
Ausstattung ersetzt keine Pädagogik
Schüler können wischen, aber keine Informationen strukturieren. Sie können chatten, aber keine digitalen Inhalte erstellen. Das ist kein digitaler Kompetenzaufbau, sondern digitaler Konsum.

In Digitale Bildung auf dem Prüfstand: Ein kritischer Blick auf die DIDACTA 2024 zeige ich, warum gerade bei Kleinkindern und Grundschülern der Fokus auf reale Erfahrungen und zwischenmenschliche Fähigkeiten liegen sollte. Ohne klare didaktische Konzepte, ohne fundierte Lehrerfortbildung, ohne kritische Reflexion bleibt Technologie nur Werkzeug ohne Wirkung.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Wer heute einstellt, bekommt Bewerber, die Apps bedienen können – aber keine komplexen digitalen Prozesse verstehen. Die Lücke zwischen Schulabschluss und beruflicher Handlungsfähigkeit wird größer. Unternehmen müssen mehr in Grundlagenbildung investieren, die eigentlich in der Schule stattfinden sollte.

Das EU-Ziel für 2030 ist ambitioniert: den Anteil von 40 auf 15 Prozent senken. In vier Jahren. Das erfordert mehr als neue Geräte. Es erfordert ein Umdenken darüber, was digitale Bildung wirklich bedeutet.
Quellen
- Eickelmann et al., ICILS 2023 #Deutschland, Waxmann, 2024,
https://www.uni-paderborn.de/nachricht/143045 - Deutsches Schulportal, Digitale Kompetenzen – 40 Prozent der Jugendlichen sind abgehängt, 2024,
https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/icils-2023-eickelmann-digitale-kompetenzen-40-prozent-der-jugendlichen-sind-abgehaengt/ - KMK, Digitalisierung von Schulen: Bund und Länder einig über den Digitalpakt 2.0, 2025,
https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/digitalisierung-von-schulen-bund-und-laender-einig-ueber-den-digitalpakt-20.html - Bitkom, Bildung 2030, 2025,
https://www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Bildung-2030
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