Wie kann Lernen wieder Spaß machen?
09.09.2026
59 Prozent der Kinder und Jugendlichen lernen, weil sie es müssen. Nicht einmal jedes Dritte lernt, weil es ihm Spaß macht.
Ich höre es in hunderten Gesprächen mit Personalverantwortlichen immer wieder: Die jungen Leute können nicht mehr selbstständig denken, haben keine Lernfreude, wollen nur noch durchkommen. Aber sind wir ehrlich – wen wundert das?
51 Prozent der Jugendlichen und 54 Prozent der Eltern verbinden Lernen mit Zwang und Druck, jeweils 43 Prozent mit Kontrolle. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Deutschen Telekom Stiftung. Je länger Kinder die Schulbank drücken, desto weniger Freude haben sie am Lernen. Während nur acht Prozent der Sechsjährigen eher selten Spaß am Lernen haben, sind es bei den 13-Jährigen schon 27 Prozent.
Die Folgen sehen wir schon heute
Drei Viertel der befragten Jugendlichen fühlen sich mindestens einmal pro Woche wegen der Schule gestresst, jeder Vierte sogar an mehr als drei Tagen. Fast zwei Drittel der 15-jährigen Mädchen gaben an, Schulstress und Leistungsdruck zu empfinden – im Vergleich zu 2018 ein Anstieg um fast 10 Prozent.

Dabei wissen wir längst: Laut Bildungsexperten ist Spaß am Lernen die entscheidende Voraussetzung für den Schulerfolg. Wer mit Freude lernt, speichert Wissen nachhaltiger und entwickelt die Fähigkeit, selbstständig zu denken. Genau das, was Unternehmen heute dringend brauchen.
Es gibt Ansätze, die funktionieren
An der Universitätsschule in Dresden sind Dinge möglich, von denen Schüler und Lehrer andernorts nur träumen: keine Noten, kein Frontalunterricht und variable Urlaubstage statt fixer Ferien. Das Konzept setzt auf Beziehung statt Erziehung, individuelle Lernwege, Talententfaltung, Eigenverantwortlichkeit und Selbstverwirklichung.

In Ferien-Lerncamps wie dem von Dominic Bauer lernen Kinder Mnemotechniken, entdecken ihren Lerntyp und erfahren: Lernen kann leicht sein. Studien zeigen, dass gamifizierte Ansätze den Lernerfolg nachhaltig positiv beeinflussen können.
Was das für Unternehmen bedeutet
Die Frage ist nicht, ob wir Schule verändern müssen. Die Frage ist, wann wir damit anfangen. Natürlich erfordert eine Lernkultur, die auf Freude und Selbstwirksamkeit setzt, mehr Aufwand. Sie braucht gut ausgebildete Lehrkräfte, Zeit für individuelle Begleitung und den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen.

Die Alternative ist, dass wir weiter junge Menschen produzieren, die Lernen mit Leid verbinden – und die dann in Ihren Unternehmen ankommen. Ich beschreibe in KI Bildung Revolution, warum wir Lernen grundsätzlich neu denken müssen: nicht Faktenwissen abrufen, sondern die richtigen Fragen stellen.
Würden Sie jemanden einstellen, der das Lernen als Zwang erlebt hat – oder jemanden, der aus Neugier lernt?
Quellen
- Deutsche Telekom Stiftung, Wie lernen Kinder und Jugendliche, Institut für Demoskopie Allensbach, 2020,
https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/files/media/publications/Wie-lernen-Kinder-und-Jugendliche-Bericht.pdf - WDR, Was hilft gegen Schulstress, neuneinhalb, 2025,
https://www.youtube.com/watch?v=PhaoTjse1ms - Magazin Schule, Was bringt ein Ferien-Lerncamp für Schüler, Interview Dominic Bauer, 2026,
https://www.magazin-schule.de/magazin/was-bringt-ein-ferien-lerncamp-fuer-schueler/ - Universitätsschule Dresden, Konzeption und Lernort, TU Dresden, 2026,
https://universitaetsschule.org/ - BNW, Gamification im Unterricht: Lernen mit Spaß, 2025,
https://www.bnw.de/service/blog/fuehrungskraefte/gamification-im-unterricht-lernen-mit-spass/
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