UMSETZEN LERNEN MIT PROF. DR. GERALD LEMBKE

Kompetenz-Radar

Praxis-know-how für digitale Medienprojekte in Unternehmen

← Alle Ausgaben im Archiv

Welche KI ist die beste? Claude überholt ChatGPT

10.09.2026

Wer heute glaubt, ChatGPT sei der KI-Marktführer, übersieht die wichtigste Verschiebung: Bei den Unternehmensausgaben liegt Anthropic mit Claude seit dem Frühjahr vorn.

Der Ramp AI Index zeigt im August 2026, dass 43,8 Prozent der Unternehmen mit KI-Ausgaben bei Anthropic zahlen. OpenAI liegt bei 39,8 Prozent. Seit März zieht Anthropic kontinuierlich davon. Google bleibt mit 6,2 Prozent und xAI mit 4,6 Prozent weit zurück. Im Enterprise-Segment gewinnt Claude 70 Prozent aller direkten Wettbewerbe gegen OpenAI.

Reichweite und Umsatz entwickeln sich auseinander

ChatGPT hat weiterhin die größte Reichweite mit rund 900 Millionen wöchentlichen Nutzern. Laut Sensor Tower fiel der Marktanteil im Mai 2026 aber erstmals unter 50 Prozent auf 46,4 Prozent. Google Gemini erreicht 27,7 Prozent, Claude 10,3 Prozent.

Claude führt bei Unternehmensausgaben, ChatGPT bei Reichweite
Abbildung 1: Claude führt bei Unternehmensausgaben, ChatGPT bei Reichweite – Quelle: Ramp AI Index, Ausgabendaten August 2026, 2026. Firmenkunden mit KI-Ausgaben
Welche KI gibt es aktuell – Seite 1Welche KI gibt es aktuell – Seite 2Welche KI gibt es aktuell – Seite 3Welche KI gibt es aktuell – Seite 4Welche KI gibt es aktuell – Seite 5Welche KI gibt es aktuell – Seite 6Welche KI gibt es aktuell – Seite 7
1 / 7
Marktanteile und Umsätze der führenden KI-Chatbots im Vergleich

Bei den monatlichen Umsätzen pro Nutzer liegt Claude mit 2,76 Dollar deutlich vor ChatGPT mit 1,74 Dollar. Das bedeutet: Wer zahlt, zahlt eher für Claude. Wer kostenlos nutzt, bleibt meist bei ChatGPT.

In Deutschland nutzt jedes zweite Unternehmen KI

Laut ifo Institut nutzen im Mai 2026 bereits 54,5 Prozent der Unternehmen KI, nach 40,9 Prozent ein Jahr zuvor. Die Bitkom meldet im April 2026 41 Prozent aktive Nutzung – mehr als doppelt so viele wie 2024.

Microsoft Copilot wird in Deutschland am häufigsten genutzt
Abbildung 2: Microsoft Copilot wird in Deutschland am häufigsten genutzt – Quelle: Bitkom, KI-Studie 2026, 2026. n = 604 Unternehmen

Die meistgenutzten Tools: Microsoft Copilot mit 47 Prozent, ChatGPT mit 42 Prozent, Google Gemini mit 28 Prozent, Claude mit 15 Prozent. Das deckt sich mit dem, was ich in Unternehmen sehe: Microsoft Copilot profitiert von der bestehenden Office-Infrastruktur, ChatGPT vom Bekanntheitsgrad, Claude vom Enterprise-Fokus.

Die größte Lücke liegt bei der Kompetenz

53 Prozent der Unternehmen nennen fehlendes KI-Wissen im Team als größte Hürde. Nur 21 Prozent haben eine dokumentierte KI-Strategie. 33 Prozent berichten, dass KI teurer ist als erwartet, 19 Prozent haben bereits Stellen abgebaut.

KI-Nutzung steigt, Kompetenz fehlt
Abbildung 3: KI-Nutzung steigt, Kompetenz fehlt – Quelle: ifo Institut, Bitkom, KI-Nutzung deutsche Wirtschaft, KI-Studie 2026, 2026. ifo Institut Mai 2026, Bitkom April 2026

Ab dem 2. August 2026 greifen die Kernpflichten des EU AI Act. Unternehmen müssen KI-Systeme nach Risiko einordnen, KI-generierte Inhalte kennzeichnen und ihre Mitarbeitenden schulen. Die Bundesnetzagentur übernimmt die Marktüberwachung, Strafen reichen bis zu 35 Millionen Euro.

Der Trend zu KI-Agenten beschleunigt sich. Laut Salesforce werden Unternehmen bis Ende 2026 im Durchschnitt zwölf KI-Agenten einsetzen. Diese Systeme arbeiten nicht nur reaktiv, sondern führen Aufgaben eigenständig aus. In Die 5 wichtigsten Einsatzbereiche von KI Agenten Unternehmen 2026 zeige ich, wo diese Systeme konkret ansetzen und welche Produktivitätsgewinne möglich sind.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Was heute zählt: nicht das größte KI-Budget, sondern die Fähigkeit, KI-Werkzeuge gezielt auszuwählen und im Team zu verankern. Wer nur auf ein Werkzeug setzt, verliert Flexibilität. Wer ohne Strategie mehrere Tools parallel laufen lässt, zahlt doppelt.

Das größte Risiko liegt nicht in der Toolauswahl, sondern im fehlenden Wissen. In Kompetenzabbau: Das Dilemma der kostenlosen KI-Tools in Unternehmen beschreibe ich, wie kostenlose KI-Tools kognitive Abhängigkeit fördern und kritisches Denken untergraben.

Guter Einwand: Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen mit verschiedenen Erhebungsmethoden. Der Ramp AI Index misst Ausgaben zahlender Firmenkunden, nicht die Gesamtnutzung. Für kleinere Unternehmen kann ein einziges gut integriertes Tool wirtschaftlicher sein als mehrere parallele Lösungen.

Entscheidend ist: Wer heute KI einsetzt, braucht keine Tool-Liste, sondern eine Antwort auf die Frage, welche Kompetenz dadurch im Team wachsen soll.

Quellen

  • Ramp AI Index, Ausgabendaten August 2026, ramp.com/data/ai-index
  • Bitkom, KI-Studie 2026, 604 Unternehmen, April 2026
  • ifo Institut, KI-Nutzung deutsche Wirtschaft, Mai 2026
  • Sensor Tower, State of AI Report 2026, Juni 2026

Der Kompetenz-Radar-Newsletter erscheint im Steinbeis Transferzentrum Digitale Medien und Kommunikation. Alle Ausgaben · Zum Kompetenz-Radar · Projektbedarf melden

Auf dem Laufenden bleiben zum Kompetenz-Radar

Diese Ausgabe direkt weiterempfehlen? Neue Ausgaben gibt es unregelmäßig per Mail – ohne Werbung von Dritten, jederzeit mit einem Klick abbestellbar.

Pflichtfelder mit *.