Warum Sie Fehler machen müssen – keine Option, sondern Pflicht
13.09.2026
64 Prozent der Führungskräfte geben eigene Fehler nicht oder nur teilweise zu. Gleichzeitig sagen 50 Prozent, dass mangelnde Fehlerkultur die Innovationsfähigkeit gefährdet. Das ist kein Widerspruch, das ist ein System.
Die Zahlen stammen aus dem EY Fehlerkultur-Report 2023. Sie zeigen: Wir reden über Innovation, aber bestrafen Scheitern. Wir fordern Agilität, aber sanktionieren Experimente. Deutschland belegt im internationalen Vergleich zur Fehlertoleranz Platz 60 von 61 Ländern. Nur Singapur schnitt schlechter ab. Das deckt sich mit dem, was ich in Unternehmen sehe: Die Lizenz für New Work ist gekauft, die Haltung zu Fehlern bleibt alt.
Junge Mitarbeiter trauen sich nicht
25 Prozent der Beschäftigten trauen sich nicht, Fehler offen zuzugeben. Bei den unter 25-Jährigen sind es 44 Prozent. 23 Prozent befürchten negative Konsequenzen. Die Generation, die wir für Innovation brauchen, haben wir zur Vorsicht erzogen.

Dabei zeigt die Forschung das Gegenteil: Teams mit hoher psychologischer Sicherheit haben eine 12 Prozent höhere Erfolgswahrscheinlichkeit. Amy Edmondsons Forschung belegt: Je höher die Anzahl gemeldeter Fehler in einem Team, desto besser dessen Leistung. Diese Teams machen nicht mehr Fehler. Sie sprechen nur offen darüber.
Fehlertoleranz korreliert mit Wachstum
Deloitte fand 2019 heraus, dass eine Fehler- und Lernkultur die Wahrscheinlichkeit echter Innovation um 92 Prozent steigert. Fehlertoleranz korreliert signifikant mit Gewinn- und Umsatzwachstum. Das HR Performance Institut belegt: Wenn Führungskräfte Verletzlichkeit zeigen, steigt die psychologische Sicherheit im Team um 25 Prozent. Lessons-Learned-Routinen erhöhen die Leistung innerhalb von sechs Monaten um 15 Prozent.

Carol Dwecks Growth-Mindset-Forschung zeigt: Wer glaubt, dass Fähigkeiten entwickelbar sind, hat keine Angst vor Fehlern. Selbstwahrnehmung und Identität sind der Motor für Entwicklung. Ich schreibe in Warum Deutschland seine Innovationskultur verliert – und wie die junge Generation sie zurückbringen kann darüber, wie wir diese Stärken nutzen, bevor sie das Land verlassen.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Bei Google X forderte Larry Page sein Team nach einem fehlerfreien Test auf: „Sorge dafür, dass fünf von den Dingern abstürzen." Er weiß: Auf dem Weg zu erfolgreichen Innovationen müssen einzelne Schritte schiefgehen. Ohne Fehler keine Durchbrüche.

Die Konsequenz für Persönlichkeitsentwicklung: Wer wachsen will, muss scheitern dürfen. Nicht trotz Fehlern entwickeln wir uns, sondern durch sie. Eine Unternehmenskultur, die Fehler sanktioniert, verhindert nicht Fehler. Sie verhindert Innovation und persönliche Weiterentwicklung.
Guter Einwand: In operativen Bereichen mit hohen Sicherheitsanforderungen braucht es klare Qualitätsstandards. Nicht jeder Fehler ist gleich wertvoll. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen vermeidbaren Fehlern durch Nachlässigkeit und produktiven Fehlern beim Erkunden neuer Wege.
Quellen
- EY Fehlerkultur-Report 2023,
https://www.ey.com/de_de/newsroom/2023/03/zwei-drittel-der-fuehrungskraefte-sprechen-nicht-ueber-eigene-fehler - AXA Support Report 2024, YouGov Deutschland,
https://www.axa.de/presse/axa-studie-fehlerkultur-im-job - Studie Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Michael Frese, Fehlertoleranz 61 Länder
- Google Project Aristotle 2012-2015, Psychologische Sicherheit in Teams
- Carol Dweck, Growth Mindset, Persönlichkeitsforschung Stanford University
- Deloitte 2019, Fehlerkultur und Innovation,
https://failureinstitute.at/en/failure-culture-research/ - HR Performance Institut, Fehlerkultur-Forschung,
https://failureinstitute.at/en/failure-culture-research/
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