Wie ich wieder zu mir selbst fand – und 56% aller Führungskräfte nicht
13.09.2026
Jahrelang habe ich funktioniert. Meetings, Vorträge, Texte, Termine. Immer erreichbar, immer lieferbereit. Bis der Körper streikte und der Kopf gegen mich arbeitete.
Mein größter Fehler war Unaufmerksamkeit. Nicht gegenüber Projekten, nicht gegenüber Kunden. Sondern gegenüber mir selbst.
56 Prozent aller Führungskräfte sind ausgebrannt
56 Prozent aller Führungskräfte sind heute ausgebrannt, zeigt der Leadership Burnout Report 2024 von LHH. Die Rate ist binnen eines Jahres um vier Prozentpunkte gestiegen.

61 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland sehen sich burnout-gefährdet, berichtet die Pronova BKK 2024. Die psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitstage stiegen zwischen 2019 und 2024 um mehr als 50 Prozent, dokumentiert der DAK-Psychreport 2025.
Die Zahlen waren für mich lange nur Zahlen. Bis ich selbst betroffen war.
Selbstständige arbeiten sich kaputt
Selbstständige arbeiten besonders lange: 36 Prozent über 48 Wochenstunden pro Woche, bei Selbstständigen mit Beschäftigten sind es sogar 45 Prozent, meldet das Statistische Bundesamt 2025.

Ich gehörte dazu. 60-Stunden-Wochen waren normal. Wochenende war Arbeitszeit. Pausen galten als Schwäche.
Was ich dabei übersehen habe: Wer sich selbst nicht führt, kann andere nicht führen.
Ohne SelfCare keine StaffCare
Eine Studie der Helmut-Schmidt-Universität und der Universität der Bundeswehr München von 2026 bringt es auf den Punkt: SelfCare ist die Ressource, die Führungskräften ermöglicht, sich um ihre Mitarbeitenden zu kümmern. Ohne SelfCare keine StaffCare.
Ich habe lange geglaubt, Selbstfürsorge sei etwas für Menschen mit Zeit. Heute weiß ich: Selbstfürsorge ist die Voraussetzung dafür, dass man Zeit hat.
Wer sich selbst vernachlässigt, verliert nicht nur Energie, sondern auch Klarheit, Geduld und Entscheidungskraft.
Achtsamkeit wirkt messbar
Achtsamkeitstraining wirkt messbar, zeigt eine Studie mit 1200 Teilnehmenden von 7Mind. Mehr Gelassenheit, höhere Kreativität, bessere Stressregulation – und das schon nach zehn Einheiten über zwölf Wochen.

Nicht esoterisch, sondern nachweisbar.
Mein größter Fehler war, zu spät hinzusehen. Nicht auf die Warnsignale. Nicht auf die innere Stimme, die leiser wurde, bis sie verstummte.
Gesunde Selbstführung ist Führungsaufgabe
Heute führe ich anders. Ich nehme mir Zeit für Reflexion. Ich setze Grenzen. Ich höre auf meinen Körper, bevor er mich zwingt.
Gesunde Selbstführung ist keine Privatsache. Sie ist Führungsaufgabe. Wer als Führungskraft trotz Krankheit arbeitet, animiert unbewusst das Team dazu, dasselbe zu tun. Wer keine Pausen macht, signalisiert: Pausen sind hier nicht erwünscht.
Vorbildfunktion wirkt – im Guten wie im Schlechten.
Ich beschreibe in Digitale Führung: 5 essenzielle Strategien für Manager im Mittelstand 2026, wie moderne Führung funktioniert, wenn man sie nicht gegen sich selbst richtet.
Unaufmerksamkeit gegenüber sich selbst ist kein Kavaliersdelikt. Sie ist der Anfang vom Ende. Als Führungskraft und als Mensch.
Quellen
- LHH Leadership Burnout Report 2024
- Pronova BKK, Studie Arbeiten zwischen Burn-out und Bore-out, 2024
- DAK-Psychreport 2025
- Statistisches Bundesamt, Überlange Arbeitszeiten, 2025
- Helmut-Schmidt-Universität/UniBw, Studie Gesundheitsorientierte Führung, 2026
- 7Mind, Studie Achtsamkeit am Arbeitsplatz mit 1200 Teilnehmenden
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