Was Azubis durch Medienprojekte lernen und KI nicht kann
25.10.2026
Das World Economic Forum listet analytisches Denken auf Platz 1, kreatives Denken auf Platz 2 und Resilienz auf Platz 3 der gefragtesten Skills bis 2030. Rein technische KI-Kompetenz erscheint erst auf Platz 15. Die Frage ist: Wie baut man diese Kompetenzen auf?
In Schwäbisch Gmünd entwickelten im Oktober 2026 vierzig Schüler:innen eigene Medienprojekte zu Nachrichtenkompetenz. Nach Workshops mit SWR-Redakteuren und journalistischen Creatoren setzten sie praktische Projekte an vier Pilotschulen um. Was dabei entstand, war mehr als ein Video: Problemlösungskompetenz, die keine KI übernimmt.
Der deutsche Mittelstand braucht andere Kompetenzen als Tool-Wissen
Der Stifterverband ermittelte im Dezember 2025: In den kommenden fünf Jahren müssen jeweils über 2,4 Millionen Erwerbstätige in Deutschland in Schlüsselqualifikationen wie agilem Arbeiten, digitalem Lernen und Kollaboration befähigt werden. Der deutsche Mittelstand bildet über 90 Prozent aller Auszubildenden aus, wie KfW Research für das Jahr 2024 ermittelte. Doch während Unternehmen massiv in digitale Technologie investieren, bleibt die entscheidende Kompetenz auf der Strecke: die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung stellte fest: Die privat oder schulisch erworbene Medienkompetenz reicht nicht aus, um Medien im Beruf souverän zu nutzen und zu produzieren. Sie ist aber im Rahmen der Ausbildung ausbaufähig.
Praktische Projekte bauen auf, was bleibt
Eine Studie der Universität Hohenheim bestätigt: Methodische Basiskompetenzen wie kritisches Denken, Entscheidungskompetenz und analytisches Denken gewinnen durch KI an Wichtigkeit. KI kann viele Aufgaben automatisieren, aber die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen und kritisch zu hinterfragen, bleibt eine menschliche Domäne.

Genau hier liegt die Chance: Wenn Auszubildende ein echtes Briefing bekommen, ein Konzept entwickeln, Feedback einholen und ein Projekt zum Abschluss bringen, bauen sie Problemlösungskompetenz auf. Nicht die Technik entscheidet, sondern die Fähigkeit, ein Briefing in die richtige Frage zu übersetzen. Ich habe das in Smarte Zukunftskompetenzen – 12 Tipps für Future Skills in der Arbeitswelt ausführlich beschrieben: Digitale Kompetenz allein reicht nicht, ohne die Fähigkeit, Probleme strukturiert anzugehen.
Was das für die Praxis bedeutet
Investieren Sie in praktische Medienprojekte für Ihre Auszubildenden. Ein Duales Studium mit realen Unternehmensprojekten baut genau die Kompetenzen auf, die Ihre Organisation in fünf Jahren braucht. Die Bertelsmann Stiftung ermittelte 2024 in ihrer Studie zu Future Skills: Unternehmen suchen heute bereits nach Kompetenzen, die weit über Fachwissen hinausgehen.
Welche Kompetenzen bauen Sie bei Ihren Nachwuchskräften gezielt auf?
Quellen
- World Economic Forum, Future of Jobs Report 2025, 2025
- Stifterverband, Future Skills 2030: Ein aktualisiertes Framework für Zukunftskompetenzen, Dezember 2025,
https://www.stifterverband.org/medien/future-skills-2030 - #UseTheNews & Robert Bosch Stiftung, Pilotprojekt Nachrichtenkompetenz Schwäbisch Gmünd, Oktober 2026,
https://www.usethenews.de/de/aktuelles/pressemitteilung-nik-camp-schwaebisch-gmuend - Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Medien anwenden und produzieren – Entwicklung von Medienkompetenz in der Berufsausbildung,
https://www.bibb.de/dienst/publikationen/download/8275 - Universität Hohenheim, Studie zu Kompetenzen in der Medienbranche und KI, 2024,
https://meedia.de/news/beitrag/17536 - Bertelsmann Stiftung, Kompetenzen für morgen - Diese Future Skills suchen Unternehmen schon heute, 2024,
https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/Studie_Kompetenzen_fuer_morgen_Future_Skills.pdf
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