UMSETZEN LERNEN MIT PROF. DR. GERALD LEMBKE

Praxis-know-how für digitale Medienprojekte in Unternehmen

← Alle Ausgaben im Archiv

41 % der Arbeitszeit ist sinnlos – das Fake-Work-Problem

25.10.2026

In deutschen Bürojobs wird man im Schnitt alle vier Minuten unterbrochen. Gleichzeitig braucht man fast doppelt so viel Zeit, um wieder in konzentrierte Arbeit zu finden. Das Ergebnis: Arbeit, die keine Probleme löst, sondern nur Sichtbarkeit erzeugt.

Arbeitsforscher Hans Rusinek nennt es performative Arbeit. Nicht wer gute Arbeit macht, wird befördert, sondern wer sichtbare Arbeit macht. Das führt zu Meetings ohne Agenda, E-Mails um 23 Uhr und Online-Status-Pflege.

Die Zahlen zeigen ein Systemversagen

Laut Deloitte werden 41 Prozent der Arbeitszeit mit sinnlosen Tätigkeiten verbracht. Eine Stepstone-Studie kommt auf 8,7 Stunden pro Woche. Eine Indeed-Umfrage unter 1.000 hybrid Arbeitenden ergab: 67 Prozent inszenieren Produktivität, statt produktiv zu sein.

41 Prozent der Arbeitszeit wird für sinnlose Tätigkeiten verwendet
Abbildung 1: 41 Prozent der Arbeitszeit wird für sinnlose Tätigkeiten verwendet – Quelle: Deloitte, Stepstone, The State of Work, Produktivitätsstudie, 2025, 2024. Verschiedene Stichproben

Besonders drastisch sind die Meeting-Zahlen. Laut Atlassian verbringen Fachkräfte 31 Stunden pro Monat in unproduktiven Meetings. 65 Prozent aller Meetings werden als wenig sinnvoll oder nutzlos bewertet. David Graeber sprach bereits 2018 von Bullshit Jobs: rund ein Drittel aller Jobs seien gesellschaftlich weitgehend sinnlos.

Die Ursache liegt im System

Ich sehe das in über 1000 Projekten immer wieder: Die Lizenz ist gekauft, die Abläufe aber bleiben unverändert. Rusinek sagt im Interview mit freelancermap DACH: Es ist eine Anwesenheitskultur, keine Ergebniskultur. Software Finder ermittelte, dass Mitarbeiter fünf Stunden pro Woche damit verbringen, produktiv zu wirken statt produktiv zu sein.

65 Prozent aller Meetings werden als wenig sinnvoll bewertet
Abbildung 2: 65 Prozent aller Meetings werden als wenig sinnvoll bewertet – Quelle: Verschiedene Studien, Produktivitätsstudien 2025/2026, 2025–2026. Unterschiedliche Erhebungen

Freelancer zeigen den Gegenentwurf. Sie werden nach Ergebnissen bezahlt, nicht nach Präsenz. Das erzeugt ein anderes Verhältnis zu Arbeit. Man kann sich kaum einen Freelancer vorstellen, der innerlich gekündigt hat, sagt Rusinek. Das würde betriebswirtschaftlich nicht funktionieren.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Organisationen müssen von Anwesenheit zu Wirkung wechseln. Nicht beschäftigt sein zählt, sondern wirksam sein. Drei Schritte helfen:

Fake Work: Die Vermessung sinnloser Arbeit
Abbildung 3: Fake Work: Die Vermessung sinnloser Arbeit – Quelle: Deloitte, Atlassian, Indeed, Software Finder, Verschiedene Produktivitätsstudien, 2024–2026. Verschiedene Stichproben

Ersetzen Sie Meeting-Rituale durch asynchrone Kommunikation, wo immer möglich. Legen Sie fest, welche Entscheidungen in welcher Form dokumentiert werden. Messen Sie Ergebnisse, nicht Arbeitszeit.

In Warum Deutschland seine Innovationskultur verliert – und wie die junge Generation sie zurückbringen kann habe ich beschrieben, wie fehlende Entscheidungskultur Innovation verhindert. Fake Work ist ein Symptom desselben Problems: fehlende Klarheit darüber, was Wertschöpfung ist.

Welchen Anteil Ihrer Arbeitszeit verwenden Sie für Arbeit, die niemandem nützt?

Der Kompetenz-Radar-Newsletter erscheint im Steinbeis Transferzentrum Digitale Medien und Kommunikation. Alle Ausgaben · Zum Kompetenz-Radar · Projektbedarf melden

Auf dem Laufenden bleiben zum Kompetenz-Radar

Diese Ausgabe direkt weiterempfehlen? Neue Ausgaben gibt es unregelmäßig per Mail – ohne Werbung von Dritten, jederzeit mit einem Klick abbestellbar.

Pflichtfelder mit *.