Kompetenzlücke falsch gemessen: Wo Unternehmen ansetzen
01.09.2026
78 Prozent der Unternehmen berichten von einer Kompetenzlücke bei digitalen Fähigkeiten.
Das Problem: Sie messen, was fehlt – nicht, was möglich ist. Ich habe in über 1.000 Projekten gesehen, wie klassische Assessments Abwehr erzeugen statt Entwicklung. Wer Kompetenz nur als Defizit erfasst, bekommt Excel-Listen mit Schulungsbedarfen. Aber keine Bewegung.
Klassische Assessments zeigen Lücken, keine Richtungen
Laut TÜV Weiterbildungsstudie 2026 sehen 56 Prozent der Unternehmen erheblichen Nachholbedarf bei digitalen Fähigkeiten. Die Digitalisierungsstudie 2024/2025 von maximal.digital bestätigt: Die meisten Firmen wissen, dass Kompetenz fehlt. Aber sie wissen nicht, wo jemand heute steht, wohin die Reise gehen kann und welche Hebel wirken.

Ein Fragenkatalog erfasst statisch. Er zeigt nicht, dass Menschen ihr Handlungsfeld in verschiedene Richtungen gleichzeitig erweitern – nicht linear von A nach B.
Der Kompetenz-Radar denkt anders: Entwicklung statt Kontrolle
Ein Radar orientiert statt zu bewerten. Er arbeitet mit Entwicklungslogik, nicht mit Defizitlogik. Die Frage lautet nicht: Was kannst du nicht? Sondern: Wo stehst du heute, und was wird morgen möglich?

Das verändert die Haltung im Unternehmen. Aus Kontrolle wird Orientierung. Aus Bewertung wird Befähigung.
Die Volkswagen AG ermittelte 2023: 25 Änderungen in neun Kompetenzfeldern innerhalb von drei Jahren. In dieser Dynamik brauchen Unternehmen kein weiteres Tool. Sie brauchen ein System, das mit dem Wandel mitgeht. Ein Radar tut das. Ein Fragenkatalog nicht.
Was gegen den Ansatz spricht: mehr Aufwand, mehr Ehrlichkeit
Der Radar erfordert ein anderes Verständnis von Kompetenz. Nicht als Zertifikat, sondern als Handlungsfähigkeit in konkreten Situationen. Das ist aufwendiger als eine Software zu kaufen. Aber es ist ehrlicher.
Die Initiative D21 zeigt im Digital Skills Gap 2025: Unternehmen, die Kompetenz als Handlungsfähigkeit verstehen, entwickeln ihre Mitarbeitenden gezielter. Sie investieren nicht in Schulungen, die niemand anwendet. Sie schaffen Lernfelder, in denen Menschen wachsen können.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Wer heute Kompetenz nur als Lücke misst, verschwendet Zeit und Geld. Die Frage ist nicht: Was fehlt uns noch? Die Frage ist: Welches Potenzial können wir sichtbar machen?
Ein Radar macht Entwicklung messbar, ohne Menschen zu reduzieren. Er zeigt Richtungen statt Defizite. Und er passt zu einer Welt, in der sich Anforderungen schneller ändern als jede Schulungsplanung.
Setzen Sie bei der nächsten Kompetenzerfassung einen Radar-Ansatz ein: Erfassen Sie nicht nur, was fehlt, sondern wo Ihre Mitarbeitenden heute stehen und wohin sie sich entwickeln können.
Quellen
- TÜV Weiterbildungsstudie 2026, TÜV-Verband
- Digitalisierungsstudie 2024/2025, maximal.digital
- Gerald Lembke, Digitale Fitness, 2022
- Digital Skills Gap 2025, Initiative D21
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