Defizitjagd kostet 10 Billionen Dollar pro Jahr
01.09.2026
Mitarbeiter mit stärkenbasierter Entwicklung sind bis zu 23 Prozent engagierter. Trotzdem beginnt Personalentwicklung in den meisten Unternehmen dort, wo es wehtut: bei den Defiziten. Das kostet nicht nur Zeit und Geld – es kostet Produktivität in einer Größenordnung, die viele unterschätzen.
Ich sehe das in über 1000 Projekten: Wer versucht, jeden Mitarbeitenden zum Allrounder zu entwickeln, investiert viel in vergleichsweise geringe Fortschritte. Gleichzeitig bleiben jene Fähigkeiten ungenutzt, mit denen Menschen außergewöhnliche Leistungen erbringen könnten.
Stärkenorientierung steigert Produktivität messbar
Gallup hat in einer Studie mit 1,2 Millionen Mitarbeitern in 22 Organisationen über 45 Länder nachgewiesen: Arbeitsgruppen, die Stärken-Interventionen erhielten, verbesserten sich in allen untersuchten Bereichen signifikant. Manager, die Stärken-Feedback erhielten, zeigten eine Produktivitätssteigerung von 12,5 Prozent. Menschen, die ihre Stärken nutzen, sind sechsmal eher engagiert bei der Arbeit.

Das Gegenteil kostet. Laut Gallup fiel globales Mitarbeiter-Engagement auf 20 Prozent in 2025 – den niedrigsten Stand seit 2020. Disengagement kostete die Weltwirtschaft 10 Billionen Dollar an verlorener Produktivität im Jahr 2024. Das entspricht 9 Prozent des globalen BIP.
Die richtige Balance zwischen Stärken und Schwächen
Natürlich gibt es Einwände. Einige argumentieren, dass persönliche Entwicklung sich gerade in unbequemen Situationen am besten fördern lässt. Andere befürchten, dass ein stärkenorientierter Ansatz Ressourcen für Mitarbeiter verbraucht, die weniger zum Unternehmenserfolg beitragen. Und ein bedeutender Anteil an Mitarbeitern verzeichnet subjektiv größere Erfolge, wenn ihre Schwächen behoben werden.

Diese Einwände sind berechtigt. Stärkenorientierung bedeutet nicht, Schwächen zu ignorieren. Es geht um die Frage, wo Entwicklungsinvestitionen die größte Wirkung entfalten. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: bei den Stärken.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Ich habe das Kompetenz-Radar entwickelt, um genau diesen Perspektivwechsel zu ermöglichen. Nicht das Defizit messen, sondern das Potenzial sichtbar machen. Denn Entwicklung entsteht nicht durch die Korrektur von Schwächen, sondern durch die gezielte Entfaltung von Stärken.
Für Mittelständler heißt das konkret: Fragen Sie nicht zuerst nach dem Defizit, sondern nach dem Potenzial. Was kann dieser Mensch besonders gut? Wo liegen die natürlichen Talente? Wie lassen sich diese Stärken so einsetzen, dass daraus Leistung und Engagement entstehen?
Die Alternative kostet Sie 9 Prozent Ihrer Wertschöpfung. Jedes Jahr.
Quellen
- Gallup, CliftonStrengths Research on Employee Engagement, 2024,
https://www.gallup.com/cliftonstrengths/ - Gallup, Strengths-Based Employee Development: The Business Results, 2025,
https://www.gallup.com/workplace/236297/strengths-based-employee-development-business-results.aspx - Gallup, State of the Global Workplace 2026, 2026,
https://www.gallup.com/workplace/
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