92 Prozent nutzen KI im Studium – und die Lehre bleibt stumm
01.09.2026
Ich stelle eine Frage. Meine Studierenden starren auf ihre Laptops. Die Antwort kommt. Selten aus ihren Köpfen, oft aus ChatGPT.
Das ist keine Einzelbeobachtung mehr. Das ist der neue Standard.
KI ist kein Experiment mehr – sie ist Arbeitswerkzeug
Die Hochschule Darmstadt hat 4.910 Studierende befragt: 92 Prozent nutzen KI-Tools im Studium. 2023 waren es 63 Prozent. In zwei Jahren hat sich KI vom Nebenversuch zum Standardwerkzeug entwickelt. 26 Prozent nutzen sie sehr häufig, weitere 24 Prozent häufig.

Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung kommt im Wintersemester 2025/26 bei 28.584 Studierenden zum gleichen Ergebnis: 81 Prozent nutzen KI wöchentlich oder täglich. Fast die Hälfte sogar täglich. Nur 2,4 Prozent setzen sie nie ein.
Die Datenlage ist eindeutig. Die Konsequenz für die Lehre ist es nicht.
Wer Fakten pauken lässt, bildet die Arbeitslosen von morgen aus
Das Weltwirtschaftsforum rechnet vor: In Europa müssen bis 2030 zwölf Millionen Erwerbstätige in andere Berufe wechseln. Das sind 6,5 Prozent aller Beschäftigten. Deutschland muss das Umschulungstempo verdoppeln – die USA bewältigen das bereits im normalen Tempo.

Das größte Problem ist nicht die Technik. Es ist der fehlende Experimentiergeist. 85 Prozent der Arbeitgeber erwarten KI-Schulung für ihre Mitarbeitenden. Sie würden das nicht erwarten, wenn sie Menschen entlassen wollten. McKinsey zeigt: Wer KI als Ergänzung nutzt, steigert die Produktivität in KI-intensiven Aufgaben um das Vierfache.
Das Argument dagegen ist berechtigt – und trotzdem falsch
Nur 59 Prozent der Schüler und 58 Prozent der Studierenden überprüfen KI-Ergebnisse auf Korrektheit. 42 Prozent der Schüler und 45 Prozent der Studierenden geben an, durch KI bessere Noten erhalten zu haben, ohne angemessene Leistung erbracht zu haben.

Das ist der Preis, wenn wir KI-Nutzung nicht lehren, sondern geschehen lassen.
Ich habe das Kompetenz-Radar entwickelt, weil ich in über 1000 Projekten sehe: Studierende brauchen keine Vorlesungsskripte mehr. Sie brauchen die Fähigkeit, die richtige Frage zu stellen. Prompting ist keine Technik, sondern Delegation. Wer klar delegieren kann, bekommt klare Ergebnisse.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Wer heute Mitarbeitende sucht, bekommt keine Faktenwiedergeber mehr. Er bekommt Menschen, die KI nutzen – mit oder ohne Kompetenz. Die Frage ist nicht, ob Sie KI im Unternehmen zulassen. Die Frage ist, ob Ihre Mitarbeitenden wissen, wie man sie verantwortlich einsetzt.
Deswegen setze ich auf Live-Probleme von Partnerunternehmen, 24-Stunden-Hackdays und KI-Coachs statt Übungsleiter. Keine Fakten mehr, nur noch Fragen. Keine Antworten mehr, nur noch Algorithmen. Keine Klausuren mehr, nur noch echte Probleme.
Wie ich das konkret umsetze, habe ich in KI Bildung Revolution beschrieben – dort steht, warum Lernen auf Halde nicht mehr funktioniert.
Überprüfen Sie in dieser Woche eine Ihrer Stellenanzeigen: Steht dort, welche Fachkenntnisse jemand mitbringen soll – oder welche Fragen er stellen können muss?
Quellen
- Hochschule Darmstadt, Künstliche Intelligenz im Studium – Längsschnittstudie 2023 & 2025, Prof. Dr. Jörg von Garrel, 2025,
https://doi.org/10.48444/h_docs-pub-533 - CHE Centrum für Hochschulentwicklung, DatenCHECK 9/2026 – Künstliche Intelligenz im Studium (WS 2025/26), 2026,
https://hochschuldaten.che.de/kuenstliche-intelligenz-im-studium-die-sicht-von-studierenden-im-wintersemester-2025-26/ - Weltwirtschaftsforum, Future of Jobs Report 2025, 2025
- McKinsey, The future of work after COVID-19, 2021
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