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Kompetenz-Radar

Praxis-know-how für digitale Medienprojekte in Unternehmen

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7 Prozent Abbruchquote statt 28 – wie Theorie und Praxis zusammenfinden

07.10.2026

Wenn Studierende die Hochschule ohne Abschluss verlassen, liegt das selten an mangelnder Motivation. Oft fehlt schlicht die Brücke zwischen Hörsaal und Beruf.

Ich leite seit 2009 den Studiengang Digitale Medien an der DHBW Mannheim. Die Abbruchquote liegt bei uns bei 7 Prozent. Bundesweit bricht jeder Vierte sein Bachelorstudium ab, an Universitäten sogar mehr als jeder Dritte. An dualen Hochschulen wie der DHBW ist es nur jeder Vierzehnte.

Der Unterschied liegt nicht in leichteren Prüfungen

Er liegt im kontinuierlichen Wechsel zwischen Theorie und Praxis. Meine Studierenden arbeiten parallel in Partnerunternehmen. Was sie montags in der Vorlesung lernen, wenden sie donnerstags im Projekt an. Dieser Transfer macht den Unterschied zwischen Verstehen und Können.

Duale Hochschulen haben die niedrigsten Abbruchquoten
Abbildung 1: Duale Hochschulen haben die niedrigsten Abbruchquoten – Quelle: DZHW, Entwicklung der Studienabbruchquoten in Deutschland, 2022. Bachelorstudium

Laut Stifterverband sind 85 Prozent der DHBW-Absolventen mit ihrem Studium zufrieden oder sehr zufrieden. Zwei Drittel der Studierenden in technischen Fächern haben bereits vor dem Abschluss eine Festanstellung. Die Beschäftigungsfähigkeit liegt praktisch bei 100 Prozent.

Das Prinzip funktioniert über Hochschulen hinaus. Untersuchungen zeigen: Weniger die Länge, sondern die Qualität der Praktika ist für deren Wirksamkeit ausschlaggebend. Wer Theorie und Praxis systematisch verzahnt, entwickelt professionelle Kompetenzen – nicht nur Wissen auf Papier.

Warum die meisten KI-Projekte in der Theorie steckenbleiben

Ich sehe das in über 1.000 Projekten immer wieder: Die Lizenz ist gekauft, die Abläufe aber bleiben unverändert. Laut VDE mangelt es in 40 Prozent der Unternehmen an der praktischen Umsetzung von KI – nicht am Budget, nicht am Willen.

Fehlende Umsetzung ist die größte Hürde bei KI-Projekten
Abbildung 2: Fehlende Umsetzung ist die größte Hürde bei KI-Projekten – Quelle: VDE, Hürden zur Umsetzung von Künstlicher Intelligenz, 2019. N = 105 Unternehmen

Das Problem liegt tiefer. In meinen KI-Workshops für Führungskräfte stelle ich eine einfache Frage: Welche Kompetenz soll bei Ihren Mitarbeitern durch das neue Tool tatsächlich wachsen? Die meisten Teilnehmer halten dann kurz inne. Sie haben über die Technologie nachgedacht, aber nicht über den Menschen, der sie nutzen soll.

Im Beitrag Künstliche Intelligenz im Digital- und Online-Marketing zeige ich, worin die größten Hürden zur Umsetzung von KI bestehen – und warum der Erfolg im Gleichgewicht zwischen Struktur und Technik liegt, nicht in der Investitionssumme.

Was die Praxis vom Hörsaal unterscheidet

Theorie ohne Anwendung bleibt Wissen auf Papier. Erst der systematische Transfer in reale Arbeitssituationen macht aus Studierenden Fachkräfte. Das Steinbeis Transferzentrum Digitale Medien und Kommunikation, das ich leite, arbeitet genau nach diesem Prinzip.

Vom Wissen zum Handeln – die Zahlen im Überblick
Abbildung 3: Vom Wissen zum Handeln – die Zahlen im Überblick – Quelle: Stifterverband, VDE, McKinsey, Erfolgsmodell Duales Studium, Hürden KI-Umsetzung, 2016–2019. Verschiedene Studien

In meinem Beitrag Digitale Transformation Praxis: 7 bewährte Strategien für Manager im Mittelstand 2026 beschreibe ich, wie erfolgreiche Unternehmen die Kluft zwischen Strategie und Umsetzung schließen – mit konkreten Beispielen aus dem deutschen Mittelstand.

Die Herausforderung liegt nicht im fehlenden Willen, sondern in der praktischen Umsetzung. Nur 20 Prozent der Mittelständler haben eine formale Digitalisierungsstrategie. Doch konsequente Digitalisierung kann das Wirtschaftswachstum laut McKinsey um 0,3 Prozentpunkte jährlich steigern.

Was das für Ihr Unternehmen bedeutet

Stellen Sie in Ihrem Unternehmen sicher, dass neue Mitarbeiter nicht nur theoretisches Wissen, sondern echte Handlungskompetenz mitbringen. Drei Fragen helfen dabei:

Erstens: Gibt es in Ihrer Organisation systematische Gelegenheiten, Gelerntes sofort anzuwenden – nicht erst nach der Schulung, sondern während der Schulung?

Zweitens: Wer trägt die Verantwortung dafür, dass aus einem eingeführten Tool tatsächlich Wertschöpfung entsteht – nicht die IT-Abteilung, sondern die Führungskraft?

Drittens: Messen Sie Ihre Weiterbildung am Kompetenzzuwachs oder an der Teilnehmerzahl?

Beginnen Sie diese Woche: Nehmen Sie ein laufendes Projekt und fragen Sie, welche Kompetenz dabei tatsächlich wächst. Nicht, was geplant ist. Was messbar passiert.

Quellen

Der Kompetenz-Radar-Newsletter erscheint im Steinbeis Transferzentrum Digitale Medien und Kommunikation. Alle Ausgaben · Zum Kompetenz-Radar · Projektbedarf melden

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