UMSETZEN LERNEN MIT PROF. DR. GERALD LEMBKE

Kompetenz-Radar

Praxis-know-how für digitale Medienprojekte in Unternehmen

← Alle Ausgaben im Archiv

Warum manche in drei Monaten Partner gewinnen

26.09.2026

University of Minnesota schloss ihren Forschungsvertrag mit Cisco in drei Monaten ab. Andere Universitäten verhandeln fünf bis sechs Monate – oder kommen nie zum Abschluss.

Ich habe in den vergangenen Wochen mit Dutzenden Professoren gesprochen, die erfolgreich mit Top-Unternehmen kooperieren. Und mit solchen, die seit Jahren verhandeln, ohne weiterzukommen. Der Unterschied ist brutal deutlich.

Wer früh kommuniziert, spart Monate

Die University of Minnesota und Cisco Research verhandelten ihren Forschungsvertrag in nur drei Monaten, so die University of Minnesota Research & Innovation Office. Andere Universitäten benötigen laut National Academies typischerweise fünf bis sechs Monate allein wegen der umfangreichen Koordination zwischen Fakultät, Universitätszentrum und Rektorat. Manche kommen nie zum Abschluss.

Warum Hochschul-Industrie-Partnerschaften scheitern oder gelingen
Abbildung 1: Warum Hochschul-Industrie-Partnerschaften scheitern oder gelingen – Quelle: University of Minnesota Research & Innovation Office, National Academies, APLU, Building Successful Industry Partnerships, Current U.S. University-Industry Partnerships, 2024-2025. Synthese aus Forschungsberichten und Experteninterviews

Was machen die Schnellen anders? Sie kommunizieren früh und oft. Laut The Scientist ist Transparenz auf beiden Seiten der Schlüssel zum Vertrauensaufbau – Forscher kommunizieren frühzeitig, wenn sich der Projektumfang ändert, und Industriepartner sind transparent über interne Schwenks oder Budgetverschiebungen.

Mark Fairey von STEMCELL Technologies bringt es auf den Punkt: Präzise Fortschrittsmetriken – ob in Form von technischen Meilensteinen, studentischen Erfolgen oder Updates zum geistigen Eigentum – helfen Industriepartnern, die Fortsetzung der Unterstützung und eine vertiefte Zusammenarbeit zu rechtfertigen.

Das Timeline-Problem kostet echte Chancen

Das zentrale Problem liegt tiefer. Laut APLU ergibt sich eine wesentliche Herausforderung bei Hochschul-Industrie-Partnerschaften aus den unterschiedlichen Zeitlinien: Academia folgt oft längeren Forschungszyklen, während Industriepartner nach schnelleren Zeitlinien arbeiten, die durch Marktanforderungen und Geschäftsstrategien bestimmt sind.

Gesprächspartner aus Academia und Industrie identifizierten die Timeline als Barriere für die Zusammenarbeit – längere Zeitrahmen bei Forschungsprojekten stehen im Kontrast zur Betonung schneller Implementierung in der Industrie. Ein Stakeholder aus der Industrie formulierte es drastisch: Das Tempo für Academia ist sehr unterschiedlich zur Industrie – viele Industriepartner wollen morgen starten.

Vertrauen entsteht durch Ergebnisse, nicht durch Absichten

Die erfolgreichsten Professoren bauen persönliches Vertrauen auf. Laut APLU erfordern erfolgreiche Hochschul-Industrie-Kooperationen ein hohes Maß an Vertrauen zwischen den Teilnehmern, doch dieses Ziel zu erreichen ist komplex. The Scientist schreibt: Mit der Zeit baut der Erfolg früherer Kooperationen Vertrauen auf und reduziert das wahrgenommene Risiko für künftige Partnerschaften.

Unternehmen investieren gezielt. Anne O'Donnell und Kiana Aran schreiben in The Scientist: Unternehmen suchen Lösungen und Talente für bedeutende Herausforderungen, während Forscher Partner suchen, die helfen, Entdeckungen in reale Auswirkungen zu übersetzen. Beide Seiten profitieren, wenn sie sich die Zeit nehmen zu verstehen, wie Erfolg für die andere Seite aussieht.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Drei Monate statt sechs – dieser Unterschied entscheidet über Wettbewerbsvorteile. Wer als Professor oder Forschungsleiter früh kommuniziert, präzise Metriken liefert und Vertrauen durch Ergebnisse aufbaut, gewinnt die Partner, die andere vergeblich jagen.

Die Frage ist nicht, ob Ihr Projekt gut ist. Die Frage ist: Versteht Ihr Partner, was Erfolg für ihn bedeutet – und sieht er Ihre Zwischenergebnisse regelmäßig genug, um weiterzumachen?

Das habe ich in über 1000 Projekten immer wieder gesehen: Die Technik stimmt fast immer. Die Kommunikation entscheidet.

Im Beitrag Digitale Transformation Mittelstand: 5 Praktische Strategien für Manager 2026 zeige ich, wie Sie Digitalisierungsprojekte strukturieren, damit sie nicht im Koordinationsaufwand ersticken – dasselbe Prinzip gilt für Forschungspartnerschaften.

Warum Hochschul-Industrie-Partnerschaften scheitern – und wie sie gelingen

Quellen

Der Kompetenz-Radar-Newsletter erscheint im Steinbeis Transferzentrum Digitale Medien und Kommunikation. Alle Ausgaben · Zum Kompetenz-Radar · Projektbedarf melden

Auf dem Laufenden bleiben zum Kompetenz-Radar

Diese Ausgabe direkt weiterempfehlen? Neue Ausgaben gibt es unregelmäßig per Mail – ohne Werbung von Dritten, jederzeit mit einem Klick abbestellbar.

Pflichtfelder mit *.