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Kompetenz-Radar

Praxis-know-how für digitale Medienprojekte in Unternehmen

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Studierende entwickeln digitale Kompetenzen – aber nicht dort, wo wir es erwarten würden

27.09.2026

75,6 Prozent der Studierenden fühlen sich durch ihr Studium nicht gut oder gar nicht gut auf den Umgang mit KI vorbereitet. Gleichzeitig schätzen 60 Prozent ihre eigenen Fähigkeiten als sicher oder sehr sicher ein.

Die Studierenden haben ihre Kompetenzen weitgehend eigenständig und außerhalb des Studiums entwickelt. Das ist keine Ausnahme. Im CHE-Ranking bewerten Studierende das Angebot zum Erwerb von KI-Kompetenzen ihrer Hochschule im Schnitt nur mit 2,7 von 5 Sternen. Die Hälfte erwartet mehr Lernangebote von ihrer Hochschule.

Kompetenzen entstehen durch Arbeit an echten Projekten

In meinen Lehrveranstaltungen im Studiengang Digitale Medien arbeite ich deshalb nach einem anderen Prinzip: Studierende entwickeln ihre Kompetenzen nicht durch Vorlesungen über Medien, sondern durch die Arbeit an echten Medienprojekten. Sie drehen Filme, entwickeln Podcasts, gestalten Social-Media-Strategien für reale Auftraggeber, programmieren Chatbots oder produzieren crossmediale Kampagnen.

Drei von vier Studierenden fühlen sich nicht gut auf KI vorbereitet
Abbildung 1: Drei von vier Studierenden fühlen sich nicht gut auf KI vorbereitet – Quelle: Ehlers, U.-D., & Rauch, E., KI im Studium aus Studierendensicht: Nutzung, Fähigkeiten und Einstellungen Studierender zu KI, 2024. DHBW-Studierenden Panelstudie 2024

Die Projekte sind konkret, die Deadlines real, die Ergebnisse sichtbar. Ein Team entwickelt für ein soziales Start-up eine einheitliche Markenidentität über alle Kanäle. Ein anderes konzipiert und produziert einen Podcast mit Bildungscharakter für eine breite Zielgruppe. Wieder andere arbeiten an der Optimierung eines KI-gestützten Hörerservice.

Seit 2020 entwickle ich die Studierenden viel mehr an Usecases und Best Practices, an realen Usecases und realen Best Practice oder Worst Practices aus Unternehmen. Die Unternehmen wissen, was wir treiben, und bekommen die Outputs unserer digitalen Medienprojekte. Das ist wirklich ein konkreter Wissensaustausch.

Diese Fähigkeiten entwickeln sich durch Projektarbeit

In dieser Kombination lernen Studierende nicht nur Werkzeuge und Techniken. Sie entwickeln genau die Fähigkeiten, die Arbeitgeber suchen: Projektmanagement in interdisziplinären Teams, eigenverantwortliches Arbeiten unter Zeitdruck, die Fähigkeit, theoretisches Wissen in praktische Lösungen zu übersetzen, und die Kompetenz, Feedback von echten Stakeholdern einzuarbeiten.

Studierende entwickeln KI-Kompetenzen außerhalb des Studiums
Abbildung 2: Studierende entwickeln KI-Kompetenzen außerhalb des Studiums – Quelle: Ehlers & Rauch; Hüsch, Horstmann & Breiter, KI im Studium aus Studierendensicht; Künstliche Intelligenz im Studium – die Sicht von Studierenden, 2024/2025. DHBW-Panelstudie 2024; CHE DatenCHECK 6/2025

Das Hochschulforum Digitalisierung hat diese Erkenntnis in seinen Forderungen zur KI-Qualifizierung aufgegriffen: Es braucht praxisnahe Formate, die Studierende als aktive Gestalter einbinden. Der Stifterverband betont in seinem Future-Skills-Framework 2030, dass projektbasiertes Lernen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Zukunftskompetenzen spielt.

Was das für Hochschulen und Unternehmen bedeutet

Vorlagen schlagen Regeln. Ein Styleguide, den niemand liest, ändert nichts. Eine Vorlage, die jeder öffnet, ändert alles. Genauso verhält es sich mit Kompetenzen: Eine Vorlesung über Medienproduktion vermittelt Wissen. Ein eigenes Medienprojekt entwickelt Können.

Projektarbeit ist ressourcenintensiv. Sie braucht Betreuungskapazität, technische Ausstattung und die Bereitschaft, Kontrolle abzugeben. Nicht jede Hochschule kann oder will diesen Weg gehen. Und nicht jede Studienrichtung eignet sich gleichermaßen für diesen Ansatz.

Doch die Zahlen zeigen: Studierende entwickeln ihre digitalen Kompetenzen so oder so. Die Frage ist nur, ob Hochschulen diesen Prozess begleiten oder den Studierenden überlassen.

Welche digitalen Kompetenzen entwickeln Sie gerade bei Ihren Mitarbeitern – durch Schulungen oder durch Projekte?

Quellen

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