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177.000 Jobs weg – und trotzdem fehlen Fachkräfte

28.08.2026

Jeden Monat verlassen 80.000 Menschen den deutschen Arbeitsmarkt durch Renteneintritt, gleichzeitig haben Unternehmen 2025 den Abbau von über 177.000 Stellen angekündigt. Der Widerspruch ist real.

Die deutsche Industrie steckt in der schwersten Krise seit Jahren. 124.100 Industriearbeitsplätze gingen 2025 verloren, fast doppelt so viele wie im Vorjahr, meldet EY. Seit 2019 sind 266.000 Industriearbeitsplätze verschwunden, ein Minus von fünf Prozent. Die Automobilbranche verlor allein 2025 rund 50.000 Jobs. Volkswagen will bis 2030 konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland streichen, davon 35.000 bei der Kernmarke.

24.000 Insolvenzen in einem Jahr

Die Insolvenzwelle rollt mit voller Wucht. 2025 meldeten 24.064 Unternehmen Insolvenz, 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Stand seit 2014, so das Statistische Bundesamt. Die Gläubigerforderungen summierten sich auf 47,9 Milliarden Euro. Bei Industrieunternehmen wurden von Januar bis November 2025 bereits 1.483 Insolvenzverfahren eröffnet, elf Prozent mehr als im Vorjahr – der höchste Stand seit 2013.

Industriebeschäftigung schrumpft seit 2019
Abbildung 1: Industriebeschäftigung schrumpft seit 2019 – Quelle: EY, Industriebarometer Q4 2025, 2026. Deutsche Industrie

60 Prozent der Unternehmen planen laut Handelsblatt weiteren Stellenabbau am Standort Deutschland. 36 Prozent aller befragten Unternehmen wollen 2026 Stellen abbauen, nur 18 Prozent planen Neueinstellungen, zeigt eine Umfrage des IW Köln. Für 2026 könnten erneut bis zu 100.000 Stellen in der Industrie wegfallen, vor allem bei Automobilherstellern.

KI trifft Bürojobs am härtesten

Der strukturelle Wandel beschleunigt die Krise. McKinsey Global Institute prognostiziert bis 2030 drei Millionen Jobwechsel durch KI in Deutschland, das entspricht sieben Prozent der Gesamtbeschäftigung. 54 Prozent der KI-bedingten Veränderungen treffen administrative Büro-Tätigkeiten. Goldman Sachs warnt, dass etwa zwei Drittel der derzeitigen Arbeitsplätze einem gewissen Grad der KI-Automatisierung ausgesetzt sind.

Über die Hälfte der KI-Jobwechsel betrifft Bürotätigkeiten
Abbildung 2: Über die Hälfte der KI-Jobwechsel betrifft Bürotätigkeiten – Quelle: McKinsey Global Institute, A new future of work, 2024. Deutschland, Prognose bis 2030

Besonders drastisch zeigt sich die KI-Disruption bei jungen Menschen: 43 Prozent der unter 25-Jährigen gaben an, ihren Arbeitsplatz bereits wegen KI verloren zu haben. Wie ich in 6 KI-Kompetenzen als Überlebensstrategie: So werden Unternehmen und Mitarbeiter fit beschrieben habe, definiert KI nicht nur Arbeitsprozesse neu, sondern ganze Berufsbilder – Microsoft lässt bereits zwischen 20 und 30 Prozent seiner Programmierung durch KI-Systeme erstellen.

Das Paradox: Abbau trotz Fachkräftemangel

Die Situation ist paradox: 22,7 Prozent der Unternehmen leiden Anfang 2026 unter Fachkräftemangel, so das ifo Institut. Gleichzeitig bauen sie massiv ab. Der demografische Wandel verschärft die Lage: Laut DGUV-Analysen verlassen monatlich etwa 80.000 Menschen durch Renteneintritt den Arbeitsmarkt.

Die deutsche Arbeitskrise in Zahlen
Abbildung 3: Die deutsche Arbeitskrise in Zahlen – Quelle: Diverse, INSM, Statistisches Bundesamt, Handelsblatt, McKinsey, 2025/2026. Deutschland

Der Strukturwandel von der Industrie zu Dienstleistungen hat das Produktivitätswachstum Deutschlands seit 1970 jährlich um rund 0,25 Prozentpunkte verringert, berichtet Zukunftsstandort Deutschland. Die Transformation läuft, aber in die falsche Richtung.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Der Mittelstand steht vor einer doppelten Herausforderung: Er muss Menschen qualifizieren, bevor sie den Arbeitsmarkt verlassen, und gleichzeitig neue Kompetenzen aufbauen für Jobs, die es noch gar nicht gibt. Wer jetzt nicht in Weiterbildung investiert, wird den Anschluss verlieren. Die Zahlen zeigen: Es geht nicht mehr um Konjunktur, sondern um Struktur. Deutschland braucht keine Diskussionen über die Vergangenheit, sondern Investitionen in die Zukunft.

Quellen

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