89 Prozent ohne Parität in IT-Berufen
20.08.2026
In 89 Prozent der deutschen Unternehmen sind weniger als die Hälfte der IT-Stellen mit Frauen besetzt.
Das hat Bitkom Research zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 in einer repräsentativen Befragung von 603 Unternehmen ermittelt. Nur neun Prozent berichten von einem annähernd ausgeglichenen Geschlechterverhältnis. Die Zahlen zeigen: Diversität in der Digitalwirtschaft bleibt Wunschdenken.
Das Problem beginnt in Ausbildung und Studium
Der Frauenanteil im Informatikstudium liegt laut Statistischem Bundesamt bei 17 Prozent. In IT-Ausbildungen sind es sogar nur zwölf Prozent. Die Pipeline ist leer, bevor der Arbeitsmarkt überhaupt greift.
Stereotype prägen die Unternehmenskultur
43 Prozent der Unternehmen halten Männer für besser geeignet in IT- und Digitalberufen, so Bitkom Research. 48 Prozent meinen, diese Berufe würden Frauen abschrecken. Das sind keine Naturgesetze, sondern tief verankerte Vorurteile. 59 Prozent nennen die Hürden beim Wiedereinstieg nach Familienpausen als größtes Hindernis.
Auch im Journalismus läuft es rückwärts
Der Frauenmachtanteil in deutschen Leitmedien ist auf 37,3 Prozent gesunken, meldet ProQuote Medien im August 2026. Das ist der fünfte Rückgang in Folge. Bei Podcasts sieht es nicht besser aus: Laut USC Annenberg Inclusion Initiative waren Ende 2025 nur 35,9 Prozent der Top-100-Podcasts von Frauen moderiert. In Business und Technologie sind es sogar nur 7,7 Prozent.
Monet überlebte zwischen Hungertod und Millioneneinkommen
Claude Monet verdiente 1872 laut Springer Link 12.100 Francs im Jahr. Vierzig Jahre später, 1912, waren es 369.000 Francs. Das entspricht heute rund 12,4 Millionen Dollar Jahreseinkommen. Dazwischen lagen Jahrzehnte bitterer Armut. Mitte der 1870er Jahre zerstörte die Panik von 1873 den Kunstmarkt. Monet musste sich 1883 einen Traueranzug leihen, um Manets Beerdigung besuchen zu können, berichtet Yahoo Entertainment.
Ein Mann rettete ihn und seine Kollegen: Paul Durand-Ruel. Der Kunsthändler kaufte 1872 für 35.000 Francs 23 Werke von Monet, schreibt Barnebys. Zwischen 1891 und 1922 erwarb er insgesamt über 1000 Gemälde des Impressionisten. Durand-Ruel verkaufte die Werke geduldig, oft erst zehn bis zwanzig Jahre nach dem Ankauf. Er eröffnete Galerien in London und New York. Er organisierte Einzelausstellungen, als französische Kritiker noch spotteten.
Monet sagte 1924, zwei Jahre nach Durand-Ruels Tod: "Ohne Durand wären wir verhungert, jeder von uns Impressionisten." Ab 1880 begann die Öffentlichkeit, den Wert des Impressionismus zu erkennen, erklärt NPR. Monet konnte 1890 das Haus in Giverny kaufen, das er seit 1883 gemietet hatte. Sechs Gärtner pflegten seinen Garten. Ein Panhard & Levassor stand vor der Tür. Amerikanische Sammler reisten nach Paris, um bei Durand-Ruel Monet-Bilder zu kaufen.
Monet startete mit Karikaturen, die er für 20 Francs das Stück verkaufte, berichtet Boingboing. Diese 2000 Francs finanzierten seinen Umzug nach Paris gegen den Willen des Vaters. Er malte konsequent seine Vision, nicht den Geschmack der Salons. Das kostete ihn fast alles. Durand-Ruel glaubte an diese Vision und investierte, als niemand kaufte.
Gegen diese Darstellung spricht: Monet war geschickt darin, Unterstützung zu organisieren. Er hatte wohlhabende Freunde wie Bazille, der ihm half. Seine erste Frau brachte eine Mitgift mit. Er erbte vom Vater. Die reine Hungerkünstler-Geschichte greift zu kurz. Monet verstand das Geschäft besser, als er zugab.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Die Wirtschaft wünscht sich mehr Frauen, nur vier Prozent haben interne Ziele erreicht. Diversität ist ein Wettbewerbsfaktor. Die Europäische Kommission beziffert das ungenutzte Potenzial auf 16 Milliarden Euro jährlich für die EU. Wer Talente nach Geschlecht ausschließt, verliert im Wettbewerb um Fachkräfte. Die aktuellen Zahlen sprechen eine andere Sprache.
Monets Geschichte zeigt: Wer eine Vision konsequent verfolgt, braucht Geduld und jemanden, der daran glaubt. Durand-Ruel investierte über Jahrzehnte, bevor der Markt nachzog. Mittelständische Unternehmen, die heute in Diversität investieren, folgen demselben Prinzip. Der Return on Investment kommt nicht sofort, aber er kommt. Wie ich in Kulturwandel Mittelstand: KI erfolgreich einführen beschrieben habe, scheitern 78 Prozent der Transformationsprojekte an kulturellem Widerstand, nicht an fehlender Technologie.
Quellen
- Bitkom Research, Frauen in IT- und Digitalberufen, 2026,
https://bitkom-research.de/studien/frauen-it-und-digitalberufen-2026 - ProQuote Medien, Leitmedienzählung, August 2026,
https://www.pro-quote.de/immer-weniger-frauen-in-journalistischen-fuehrungspositionen-frauenmachtanteil-sinkt-auf-373-prozent/ - USC Annenberg Inclusion Initiative, Podcast-Studie, 2025,
https://www.podcastvideos.com/articles/women-in-media-2026-trends-representation-tools/ - Statistisches Bundesamt, Informatikstudium Deutschland, 2026,
https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Karrierehuerden-Frauen-fehlen-in-IT-und-Digitalberufen - Springer Link, How Monet became a millionaire: the importance of the artist's account books, 2023,
https://link.springer.com/article/10.1007/s10824-023-09473-y - Barnebys, Paul Durand-Ruel: Glaube an den Impressionismus, 2023,
https://www.barnebys.de/blog/paul-durand-ruel-glaube-an-den-impressionismus - Artelino, Claude Monet: Meister des Impressionismus, 2025,
https://www.artelino.com/artikel/claude-monet.asp - Yahoo Entertainment, Show me the Monet: Poverty-stricken artist gave away his paintings, 2026,
https://www.yahoo.com/entertainment/celebrity/articles/show-monet-poverty-stricken-artist-224646112.html - Art Explora Academy, The Art Market, 2024,
https://academy.artexplora.org/en/chapters/the-art-market/ - NPR, Durand-Ruel: The Art Dealer Who Liked Impressionists Before They Were Cool, 2015,
https://www.npr.org/2015/08/18/427190686/durand-ruel-the-art-dealer-who-liked-impressionists-before-they-were-cool - Boingboing, Before the water lilies Monet drew cartoons, 2026,
https://boingboing.net/2026/08/14/monet-early-caricatures.html
Der Kompetenz-Radar-Newsletter erscheint im Steinbeis Transferzentrum Digitale Medien und Kommunikation. Alle Ausgaben · Zum Kompetenz-Radar · Projektbedarf melden