KI-Studium boomt – der Arbeitsmarkt schrumpft
17.10.2026
96 KI-Bachelorstudiengänge an 69 Hochschulen. 111 Masterstudiengänge an 85 Hochschulen. StudyCheck zählte diese Zahlen für 2026/2027. Zum Wintersemester 2026 starteten allein neue KI-Bachelor in Konstanz und Trier. Die Hochschulen reagieren auf eine beispiellose Nachfrage.
Doch der Arbeitsmarkt erzählt eine andere Geschichte.
Weniger offene Stellen trotz steigender Absolventenzahlen
Bitkom beziffert die Zahl unbesetzter IT-Stellen in Deutschland für 2026 auf 79.000 – deutlich weniger als 2025 mit 109.000 oder 2023 mit 149.000. Die Nachfrage sinkt, während das Angebot an Absolventen steigt. Im Wintersemester 2025/26 studierten 273.941 Menschen Informatik in Deutschland, ein Anstieg gegenüber 267.249 im Vorjahr.

Die ManpowerGroup stellte 2026 fest: KI-Kompetenz ist die meistgesuchte Qualifikation weltweit. 72 Prozent der Arbeitgeber beklagen Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. In Deutschland liegt dieser Wert bei 83 Prozent. Erstmals stehen KI-Modell- und Anwendungsentwicklung mit 20 Prozent sowie KI-Grundkenntnisse mit 19 Prozent an der Spitze der Mangelstatistik – vor klassischen Ingenieurberufen.
Die Hochschulen bilden aus – aber nicht passgenau
Stifterverband und McKinsey zeigten 2025: 79 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, ihren Beschäftigten fehlen grundlegende KI-Kompetenzen. Wie ich in Großer Gap von KI-Kompetenzen in Unternehmen beschrieben habe, zeigen Führungskräfte in Deutschland eine bemerkenswerte Unfähigkeit, die nötigen Kompetenzen in ihren Organisationen zu entwickeln.

Die Hochschulen bilden aus, die Unternehmen suchen – aber sie finden einander nicht. Das IAB prognostiziert in seiner Studie 2025: Rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze verändern sich durch KI über 15 Jahre. Die Gesamtzahl bleibt stabil, aber jeder Arbeitsplatz wandelt sich anders. Hochqualifizierte spüren die Digitalisierung am stärksten: Der Anteil potenziell automatisierbarer Tätigkeiten stieg bei Expertenberufen zwischen 2019 und 2022 um 10 Prozentpunkte auf knapp 36 Prozent.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Nicht die Anzahl der Absolventen entscheidet, sondern deren Passgenauigkeit. Wer heute rekrutiert, konkurriert nicht um Masse, sondern um die wenigen mit den richtigen Kompetenzen. Das Einstiegsgehalt für KI-Absolventen liegt laut Jobvector 2026 bei durchschnittlich 56.154 Euro brutto jährlich. Mit Berufserfahrung steigt es auf 75.000 Euro.

Die Gehaltsspanne signalisiert: Der Markt differenziert zwischen denen, die KI anwenden können, und denen, die sie verstanden haben. In 6 KI-Kompetenzen als Überlebensstrategie: So werden Unternehmen und Mitarbeiter fit zeige ich, welche konkreten Kompetenzen Unternehmen heute entwickeln müssen – unabhängig davon, wie viele Absolventen der Markt produziert.
Welche KI-Kompetenzen fehlen in Ihrer Organisation wirklich – und wie messen Sie das heute?
Quellen
- StudyCheck, Bachelor Künstliche Intelligenz 2026/2027,
https://www.studycheck.de/studium/kuenstliche-intelligenz/bachelor - Bitkom Research, Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte 2026,
https://www.bitkom.org/sites/main/files/2026-09/bitkom-studienbericht-arbeitsmarkt-it-fachkraefte-2026.pdf - ManpowerGroup, Talent Shortage Survey 2026
- Statistisches Bundesamt, Studierende Wintersemester 2025/26, 2026
- IAB, BIBB, GWS, Künstliche Intelligenz: potenzielle Effekte für den deutschen Arbeitsmarkt, Forschungsbericht 23/2025
- Stifterverband, McKinsey, KI-Kompetenzen in deutschen Unternehmen, 2025
Der Kompetenz-Radar-Newsletter erscheint im Steinbeis Transferzentrum Digitale Medien und Kommunikation. Alle Ausgaben · Zum Kompetenz-Radar · Projektbedarf melden